
Über den Dächern von Oldenburg Die Vierol Business-Lounge
21. November 2025Tischlerhandwerk at it’s best

Marco Behrens vor der Rekonstruktion eines Riva-Bootes, aus dem für einen echten Liebhaber eine außergewöhnliche Bar entsteht. „Die liefern wir demnächst in ein Schloss“, sagt der Tischlermeister: „Aber vorher kommen da noch 15 Schichten Lack drauf“.
In Garrel baut zur Stunde ein Tischler, was sonst nur italienische Bootsbauer wagten: Marco Behrens, Gründer von MB Holzdesign, gilt in der Branche längst als Mann für das Außergewöhnliche. Seit mehr als zwei Jahrzehnten verwandelt er Wohnhäuser, Praxen und VIP-Lounges namhafter Bundesligavereine in maßgeschneiderte Designräume. Sein jüngstes Projekt indes stellt alles bisherige in den Schatten: Ein enthusiastischer Kunde wünschte sich eine Bar – nicht irgendeine, sondern die präzise Nachbildung des legendären Mahagoni-Sportbootes, das als Ferrari der Bootswelt gilt: Riva, la dolce vita.
Behrens reiste zum Lago Maggiore, maß am Original, tüftelte, lackierte und schuf ein Möbelstück – so originalgetreu, dass es, so sagt er, „theoretisch sogar schwimmen müsste“. Der Riva-Auftrag ist wieder einer, der Handwerkskunst, Diskretion und eine gute Portion Besessenheit verlangt. Das passt zu Behrens’ Innenausbaubetrieb MB Holzdesign, der als erste Adresse gilt, wenn es um Küchen-Interiors, Werder-Lounges oder Hotels in der Lombardei geht. „Wir machen aber auch Privathäuser“, sagt der 47-Jährige. „So teuer, wie das manchmal aussieht, sind wir gar nicht.“
Ein Stuhl für Riesen
Dass Behrens keine halben Sachen macht, zeigt schon ein Blick aufs Firmengelände. Da steht ein überdimensionaler Stuhl, so groß, dass allenfalls ein Riese darauf Platz fände. Ein Gag. Aber auch ein Statement: Hier will einer hoch hinaus. Denn von Beginn an setzte Behrens auf Projekte die größer waren als das, was andere taten. Die ersten Aufträge waren riskant, die Kunden anspruchsvoll. Doch die Mundpropaganda tat ihr Werk: Zufriedene Kunden empfahlen ihn weiter, Folgeaufträge ließen nicht lange auf sich warten.
Behrens baute seinen Laden zukunftsorientiert um, modernisierte das Marketing, schuf Personalstrukturen, führte einheitliche Arbeitskleidung ein. Für manche mag es wie Detailversessenheit klingen; doch genau solche Kleinigkeiten machten aus dem Handwerksbetrieb eine Marke. „Ein guter Auftritt gehört nun mal zum Erfolg“, sagt Behrens.
Hightech mit Handschlag
Als die meisten Handwerker seiner Zunft noch auf alte Tradition setzten, baute Behrens schon auf Maschinen, die mehr an Automobilproduktion erinnerten als an eine Schreinerei. Zwei Holzma-CNC hier, eine Horizontalsäge dort – Technik, die nicht billig war, aber Geschwindigkeit und Präzision brachte. Kunden bekamen schon vor 20 Jahren ihre Entwürfe nicht mehr als Skizze, sondern in 3D-Booklets. Wer unterschrieb, wusste exakt, was später im Wohnzimmer stehen würde. Transparenz statt Überraschung – ein Geschäftsmodell, das …
Quelle: OM, Text: Bernhard Feldhaus, Foto: Stefan Aumann, bitters.de
